Mit dem ZOE Q90 nach Kroatien in den Urlaub

Mit dem ZOE Q90 nach Kroatien in den Urlaub

Mit dem Renault ZOE Q90 nach Kroatien

Geht das überhaupt?

Wir haben alle bemerkt, dass die Diskussionen rund um Elektrofahrzeuge in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist. Und fast jeder kennt die Hauptdiskussionspunkte und das Killerthema schlechthin: die „Reichweite“. Und die scheint den meisten interessierten Konsumenten schlicht zu wenig zu sein. Selbst 250km sind vielen einfach nicht genug. Man muss dazusagen, dass diese Einschätzung von Menschen kommt die meist noch nicht mit einem modernen Elektroauto gefahren sind. Man ist es gewöhnt, dass man mit einem Tankvorgang 700km oder gar 1000km an Reichweite tankt. Dabei fragt sich offenbar niemand mehr ob man das auch braucht. Der überwiegende Teil der Autofahrer fährt einen winzigen Bruchteil dieser Strecken pro Tag. Im Durchschnitt wird ein Auto in Österreich 34km pro Tag bewegt. In Deutschland sind es 35km, habe ich mal wo gelesen. Wenn ich mit einem E-Auto 15 bis 20kWh/100km brauche, dann reichen mir für 35km 5 bis 7kWh. Selbst wenn wir hier jetzt den Faktor 4 ansetzen kommen wir auf 20 bis 28kWh, und diesen Wert hat heute jedes moderne E-Auto. Also sollte das wohl reichen. So weit so gut, aber dann kommt der Einwand, der alles schlägt: „Aber im Urlaub fahre ich 500 oder 1000km, das geht dann wohl nicht.“
Und ich sage dazu: Doch, das geht. Na meistens wenigstens. Und es geht jetzt nicht darum zu hinterfragen ob es sinnvoll ist, sich an dem einen mal pro Jahr zu orientieren, was die erforderliche Reichweite, sprich Akkukapazität betrifft. Es geht darum zu überlegen, ob man mit einem E-Auto in vernünftiger Zeit so weit fahren kann. Und das hängt dann von ein paar Faktoren ab:

  • Wie weit komme ich mit vollem Akku?
  • Wie schnell kann ich den Akku an Ladestationen unterwegs laden?
  • Und wohin fahre ich, sprich: Gibt es überhaupt Ladestationen unterwegs und am Ziel?

Und diese Fragen sind dann nicht für jedes Fahrzeug gleich zu beantworten. Ein Teslafahrer wird jetzt wohl nur milde lächeln, aber auch mit diesem Auto gibt es Regionen, die meidet man besser. Zumindest jetzt noch, denn das Netzwerk an Superchargern wächst recht rasch. Aber in Südosteuropa dann doch eher nicht so rasch. Wobei man sagen muss, die kroatische Küste meistert man mit eine Tesla mittlerweile problemlos. Bis Dubrovnik kann man entspannt fahren.

Aber geht das auch mit dem ZOE, wohlgemerkt jener mit dem „großen“ Akku, also mit 41kWh und der „vollen“ Ladeleistung von Theoretisch 43kW, also das Modell Q90. Das haben wir uns auch gefragt als wir den Urlaub geplant haben. Der ZOE war zum Zeitpunkt unseres Urlaubs diesen August eines von zwei Autos das wir besitzen, wobei das zweite ein Dieselstinker ist, der noch weniger Platz und weniger Komfort bietet. Einziger Vorteil: 1x Tanken hätte locker für eine Strecke gereicht. Und dennoch haben wir uns für den ZOE entschieden. Ja, das ist bei uns der ZOE, weil's „der Wagen“ ist. Man weiß ja noch immer nicht ob’s die oder der ZOE ist, also ist er bei mir männlich. 

Die Planungsphase

Nach ausreichender Recherche im Ladestationsverzeichnis von goingelectric.de, ob man unterwegs laden kann, kam ich zum Schluss, dass das kein Problem wird. Ziel war Rabac auf Istrien, da geht es zuerst durch Slovenien, wo es entlang der Autobahnen recht viele Lademöglichkeiten gibt. Man kann entweder mit der Smatrics-Karte oder mit der NewMotion-Karte laden, wobei letztere günstiger ist. In Kroatien selbst sind es dann noch ca. 100km Landstraße, da fährt der ZOE mit maximal 15kWh/100km, das ist zu schaffen.

Und dann die nächste Frage: Reicht der Platz für das Gepäck? Der ZOE ist wirklich ein Kleinstwagen, aber dafür hat er echt einen ordentlichen Kofferraum. Die Fotos beweisen es, es passt alles rein. Auch die dreiköpfige Familie hat noch Platz gefunden. Leider kann man beim ZOE die Rückbank nicht geteilt umlegen, die Götter wissen was Renault sich dabei gedacht hat, beim Clio geht’s doch auch, und der läuft sogar vom gleichen Fertigungsband und hat angeblich sogar die gleiche Rücksitzbank verbaut. Nicht mal zum Aufpreis bekommt man diesen "Komfort". Wir werden es wohl nie erfahren warum man das seit Jahren bei Renault nicht hinkriegt. Fällt in die selbe Kategorie wie die Hutablage mit der scharfen Kante, an der man sich regelmäßig die Haut abschürft wenn man nicht aufpasst. Also musste auch noch etwas Gepäck auf der Rücksitzbank verstaut werden.

Es geht los

Start war in Maria Enzersdorf, südlich von Wien im Bezirk Mödling, natürlich mit 100% SOC. Richtung Kroatien ging es erst nach Kärnten, nämlich nach St. Kanzian am Klopeinersee. Ein kurzer Ladestopp von 19 Minuten an der Smartics-Station in Hofstätten von SOC 38% auf 59% musste sein. Das hat uns für 8,6kWh €8,39 gekostet. Das sind ca. 27kW Ladeleistung, und damit eigentlich weniger als der ZOE angeblich können sollte. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema. Was einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterläßt sind die Preise bei Smatrics. Wir haben also fast 1€ pro kWh bezahlt, das ist mehr als der fünffache Preis den wir zu Hause zahlen. Und das an einem AC-Stecker, nicht hinter einem teuren Gleichrichter-Ladegerät mit 50kW. Darum haben wir nur geladen was wir brauchten um es bis nach St. Kanzian zu schaffen.

Dort hatten wir sogar eine öffentliche Lademöglichkeit mit mehreren CEE-Steckdosen, die Parkplatzgebühr machte 2€ aus, der Strom ist gratis. Das Laden an der 32A-CEE-Dose ging mit unserem Kabel enercab flexible free T2 3x32A-400CEE erst recht flott, da wir die vollen 32A eingestellt hatten. Nach ca. 45 Minuten kam dann die SMS vom ZOE, das Laden sei unterbrochen worden. Offenbar hat die Absicherung der Dose die 32A nicht geschafft. Es gab eine Ersatzdose, wir haben dann langsamer geladen, das ging dann ohne Probleme. Und den Ausfall haben wir natürlich bei zuständigen Tourismusbüro gemeldet. Irgendwer muss ja die Sicherung wieder reindrücken, sonst ärgert sich der nächste E-Fahrer der laden will. Das hätte noch Verbesserungspotential.

Nach zwei Tagen ging es mit 100% SOC schließlich weiter nach Rabac, zuerst über den Seebergsattel, also rauf auf 1218m, dann nach Laibach runter, um im Mercator Center gratis zu laden und Mittagspause zu machen. Der Berg war, auch vollgepackt und bei Temperaturen über 30 Grad, überhaupt kein Problem. Beim Einkaufszentrum angekommten stand ein BMW i3 sehr ungünstig über beide Ladeplätze und hat dann auch noch statt CCS den AC43-Stecker genutzt, was beim i3 doch ziemlicher Unfug ist. Der BMW hatte einen CCS-Anschluss. Wie auch immer, der BMW war dann auch weg und wir haben geladen. Angekommen waren wir mit 72% SOC, was eigentlich unglaublich viel ist, wir sind ja ca. 100km gefahren, inklusive einem Passsattel. Die Rekuperation bergab hat uns offenbar sehr viel von der Energie zurück gebracht, welche wir bergauf zusätzlich verbraucht hatten. Wir luden dann also noch kurz bis 86% SOC und einer angezeigten Restreichweite von 262km, was in 18 Minuten erledigt war.

Theoretisch sollte das bis zum Ziel reichen, das ca. 180km entfernt war. Wir blieben aber noch einmal vor der kroatischen Grenze in Kozina bei einer Tankstelle mit Ladestation stehen, um kurz zu laden. Da die Ladesäule nicht ganz in Ordnung war, ein iMiev hatte erfolglos versucht mit Chademo zu laden, war die AC43-Ladung gratis. Unsere NewMotion-Karte wurde nicht genommen, laden konnte man dennoch. Das ist sehr vorbildlich, falls die Abrechnung nicht klappt die Ladesäule zum Gratisladen freizugeben. Wir luden von 125km Reichweite bei 47% auf 71% SOC in 21 Minuten (das waren jetzt 28kW Ladeleistung im Durchschnitt), dann ging es weiter mit 187km Reichweitenanzeige. In Rabac sind wir mit 41% angekommen, es wäre also ohne den Zwischenstopp in Kozina möglich gewesen, aber die Reichweitenangst fährt doch oft mit, wir hatten den ZOE auch noch nicht so lange, da ist man vorsichtiger. Mit dem Kia Soul EV hätten wir mehr Erfahrung gehabt.
Im Hotel selbst konnte man an einer 22kW Typ2-Station laden, die Zugänglichkeit zu jener wäre verbesserbar, aber das Personal war extrem bemüht, somit hatten wir eigentlich kein Problem und Zeit hat man ja im Urlaub genug.

Heimreise

Nach 10 Tagen im Valamar Girandella sollte es dann, im Gegensatz zur Hinreise, an einem Tag bis nach Hause gehen. Circa 550km lagen vor uns, wir wussten dass wir ca. 250 bis 270km mit dem vollen Akku schaffen, also mussten wir ca. 2 Ladestopps einplanen. Zuerst sollte es wieder an die kostenlose Ladesäule im Mercator Center in Laibach gehen. Und dieses mal war sie auch frei, ein ZOE hatte eben fertig geladen und fuhr weg als wir kamen. Angekommen sind wir mit ca. 40% SOC, wir wollten auch Pause machen und etwas essen. Nachdem dann ein starkes Gewitter nieder ging hatten wir keine Lust auf den paar Metern zum Auto total nass zu werden, daher blieben wir noch länger. Nachdem der Regen endlich vorbei war war der Akku auch schon zu 100% voll. Mit einer angezeigten Reichweite von 314km, wir waren bis Laibach wohl sehr effizient gefahren und hatten vielleicht auch ein wenig Rückenwind und Heimweh.
Nächster geplanter Stopp war dann in Österreich, kurz vor Graz beim Hotel Ramada. Da kann man gratis laden, Parkgebühr fällt bei Konsumation im Hotel auch keine an, also haben wir einen Kaffee getrunken. Angekommen waren wir mit ca. 30km Restreichweite, es gab teilweise regennasse Fahrbahn und starken Gegenwind, das führt zu Mehrverbrauch. Geladen wurde bis ca. 75%, wir wollten nicht länger warten und sind dann losgefahren. Unterwegs gibt es so viele Lademöglichkeiten, sodass wir dachten, erst mal sehen wie es mit dem Ladestand aussieht wenn wir über den Wechsel sind.
Je näher wir dem Ziel Maria Enzersdorf kamen, umso mehr deckte sich die Reststrecke mit der Reichweitenanzeige. Oder es war eher so, dass uns angeblich 5km fehlen sollten. Nochmal stehen bleiben wollten wir nicht, daher sind wir die letzten 25km mit 90 bis 95km/h hinter den LKWs gefahren, mit dem Effekt dass wir mit 20km Restreichweite zu Hause ankamen. Das langsame Fahren ging dennoch schneller als in Bad Vöslau beim Spar an der EVN-Säule nochmal zu laden. Im Windschatten sinkt der Verbrauch enorm.

Energiebilanz

Wir sind in Summe 728km zum Ziel gefahren, inklusive der Strecken die wir in Kärnten während eines Ausflugs gemacht haben. Verbraucht hatten wir dabei 113kWh, was einen Durchschnitt von 15,5kWh/100km ergibt. Das Tempo war auf der Autobahn 118km/h am Tempomat, beim Überholen natürlich schneller. Bedingt durch Baustellen und Tunnel mussten wir oft sowieso langsamer fahren. Und wir haben überraschend viele Autos überholt, es fahren auch Verbrennerfahrer teilweise gar nicht so schnell. In Kroaten sind wir dann noch ca. 100km bei einem Ausflug gefahren, und haben dann auch ein mal an der einzigen öffentlichen Lademöglichkeit in der Näche von Rabac mit 22kW geladen. Insgesamt stand der Energieverbrauch nun bei 134kWh.

Die Fahrt nach Hause war 543km lang und hat 83kWh verbraucht, was einem Durchschnitt von 15,4kWh/100km entspricht. Auch nach Hause war 118km/h die gewählte Geschwindigkeit am Tempomat und wieder haben wir viele Verbrennerautos überholt.

In Summe sind wir also ca. 1370km gefahren und haben dabei 217kWh verbraucht. Das ergibt einen Durchschnitt von 15,8kWh, wobei wir aber in Kroatien ca. 4-5kWh durch die Klimaanlage am Stand verbraucht hatten. Rechnet man das raus, waren es 15,5kWh/100km, allerdings während der Fahrt immer mit voller Klimatisierung, denn es war unglaublich heiß mit bis zu 42°C.
Wenn man einen Liter Benzin mit 8,5kWh Energieinhalt ansetzt, dann waren das im Vergleich 25,5 Liter Benzin. Ich weiß, der Vergleich hinkt, aber so kann man sich mehr vorstellen. Das wären dann unglaubliche 1,9 Liter/100km gewesen. Das zeigt wie effizient der Elektroantrieb ist. Würde man also aus dem Erdöl direkt Strom erzeugen, und diesen im E-Auto verfahren, wäre immer noch eine Ersparnis an Primärenergie gegeben. Mit dem Vorteil, dass ein Kraftwerk eine funktionierende Abgasreinigung hat, die immer und zu 100% läuft, das kann man nicht mit einem Verbrennungsmotor vergleichen, der in jedem Fall eine Dreckschleuder bleibt, weil systembedingt keine kontinuierliche Verbrennung stattfinden kann.

Komfort

Der ZOE fährt sich eigentlich wirklich gut, und bedingt durch die Pausen war es auch eine entspannte Reise. Die Klimaanlage funktionierte bestens, auch bei der Hitze in Kroatien. Der Mehrverbrauch ist nicht gravierend, wie man an unserem Stromverbrauch sehen kann. Das Fahren im Stau und auf engen und unübersichtlichen Straßen ist mit dem ZOE sowieso genial, der elastische Stromantrieb ohne schalten zu müssen ist einfach super. Die Rekuperation könnte stärker sein, bei vorausschauenden Fahren braucht man dennoch selten das Bremspedal. So ganz One-Pedal-Drive geht halt leider nicht.

Kosten

Die Kosten für Strom waren sehr gering. Wir sind mit vollem Akku weggefahren, das ist ein Geldwert von ca. €7,20. Angekommen sind wir zu Hause mit fast leerem Akku, das sind dann nochmal €7,00 in etwa. Unterwegs hat uns Smatric €8,39 abgenommen, macht in Summe ca. €22,60 für 1370km, also 1,6 Cent pro km oder €1,6 auf 100km. Das ist natürlich wirklich billig, aber repräsentiv für das Fahren eines E-Autos ist das nicht, eher ein glücklicher Zufall. Erwähnen wollte ich es dennoch, denn das hat uns natürlich gefreut.

Fazit

Im Nachhinein betrachtet war die Fahrt viel einfacher als wir gedacht hatten. Da wir an Wochentagen und nicht an Wochenenden gefahren sind, war weder viel Verkehr noch gab es ein großes Problem an den Ladestationen. An der Smatrics-Station war ein Model X, aber das lud an Chademo, da konnten wir gleichzeitig an AC43 laden und mit dem Fahrer tratschen, und die Falcon Wing Doors in Aktion bestaunen. Ein Verbrennerfahrzeug ist natürlich sorgenfreier, aber am Ende hat es uns Spaß gemacht. Die Fahrt wurde zur Reise und nicht bloß zum blöden Zweck, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Ein bisschen Miniabenteuer, und damit eine Sache an die man sich wohl bis ans Lebensende erinnern wird. Die erste Fahrt mit dem E-Auto ans Meer, die merkt man sich.

Fotos

Ein paar Fotos vom Trip dürfen auch nicht fehlen.

Unglaublich, was da alles in den Kofferraum passte!

Großer kleiner Kofferraum Viel Gepäck für das kleine Auto

Unterwegs aufladen und dann endlich ankommen

Unterwegs laden (in Kozina, Slovenien) Valamar Girandella in Rabac

Hotel Hotel

Hotel Pool

Aufladen im Hotel: Ladesäule für den ZOE und Getränke für die Urlauber an der Strandbar

Aufladen im Hotel Aufladung für die Urlauber

Der Zoe kommt mit wenig Strom aus

Energieverbrauch

2 Kommentar(e)

    • Avatar
      Florian Schröder
      Jul 2, 2018

      Hi, coole Tour. Da braucht es jemanden, der das mit trägt. Bei mir werden 145km one way im iMiev eher abgelehnt.

      • Avatar
        Georg Giglinger
        Jul 21, 2018

        Es ist natürlich mit einem 41kWh-Akku schon leichter, aber es braucht auch die Akzeptanz des Partners. Aber Skepsis bestand vorher natürlich schon.

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