Wie Sie zu Hause sicher laden

Als Elektromobilist müssen Sie sich auf einmal mit Dingen auseinander setzen, von denen haben Sie vorher vielleicht noch nicht mal gehört. Aber muss das so kompliziert sein?
Sie werden die Erfahrung machen, dass es viele Meinungen gibt, und sich manche Anbieter darin überschlagen, Sicherheitsvorkehrungen einzubauen. Aber bringt das wirklich mehr Sicherheit?
Und Ihr Elektriker erklärt Ihnen, dass es sehr teuer wird die Installation herzustellen? Das wäre dann leider kein Einzelfall, wobei man nicht alle Elektriker in einen Topf werfen kann.
Sie lesen und hören von FI-Schaltern Type A und B, von Gleichfehlerströmen und dergleichen? Was soll das alles sein? Lassen Sie sich nichts erzählen, es wir nämlich sehr viel Unsinn darüber verbreitet.
Wahrscheinlich sind Ihnen auch schon die IEC 62752, die IEC/EN 62196 (Teil 1 und 2) oder die IEC/EN 61851 untergekommen. Darin geht es um die elektrische Sicherheit. Aber für den Laien ist das alles zu kompliziert, und ganz ehrlich: Sie wollen doch nur laden und sich keiner Gefahr aussetzen, kein Elektrotechniker werden.

Fehlerstromschutzschalter = FI-Schutzschalter

Was die Normen sagen

Die Normen schreiben vor, dass jede Steckdose (also auch eine Steckdose Typ1 oder Typ2 für Elektroautos) mit einem sogenannten Fehlerstromschutzschalter (RCD = FI-Schalter) abgesichert sein muss.
Der wichtige Punkt hierbei ist, dass es um die Steckdose geht, nicht um das angeschlossene Gerät (also das Auto).
Manche Ladegeräte in Elektroautos erzeugen sogenannte Fehlergleichströme, die in bestimmten Fällen ein Problem werden können. Ganz konkret betrifft das vor allem das Fahrzeug Renault ZOE, weil es über einen ganz speziellen Lader (im Fahrzeug) verfügt. Und einige Anbieter am Markt wollen Ihnen einreden, dass Sie deshalb unbedingt ein Kabel mit RCD-Schutzeinrichtung entsprechend IEC 62752 haben müssen. Diese sind natürlich teurer, wegen der Schutzeinrichtung, die aber leider keinen Schutz bieten kann, außer in ganz wenigen Fällen.

Was der FI-Schutzschalter tut

Dazu etwas Grundlegendes: Was auch immer Ihnen jemand weiß machen will, eine Fehlerstromschutzeinrichtung in einem Ladekabel ist (fast) nie die richtige Lösung. Warum ist das so? Nun, es geht um den Personenschutz. Und zwar schreibt der Gesetzgeber vor, dass Steckdosen mit einer Fehlerstromschutzeinrichtung ausgerüstet sein müssen, die bei 30mA Ableitstrom (zur Erde oder zum Schutzleiter) auslöst.
So weit so gut.
Warum überhaupt ein Fi-Schutzschalter Typ B? Das ist gar nicht so kompliziert. Wenn ein Gerät einen Isolationsfehler hat, leitet es Wechselstrom (50Hz) auf den Schutzleiter ab, der FI löst aus und nichts kann passieren. Oder Sie berühren einen Teil der unter Spannung steht (weil etwas defekt ist), dann läuft der Strom über Ihren Körper, aber kann nicht gefährlich werden, da der FI-Schutzschalter bei 30mA auslöst. Das gleiche System hat Ihre gesamte Strominstallation zu Hause, im Büro oder in der Werkstatt.
Der Renault ZOE hat aber die unangenehme Eigenschaft nicht Wechselströme, sondern Gleichströme abzuleiten, weil der Lader die Motorwicklungen nutzt, und nicht galvanisch getrennt ist. Ein FI-Schutzschalter Typ A muss diese Ströme nicht erkennen (laut Norm wird er bei 6mA Fehlergleichstrom und gleichzeitig 30mA Fehlerwechselstrom geprüft). Das wäre ja auch noch kein Problem, weil der ZOE ist ja nicht schadhaft, wenn sie das tut, das macht der Lader und es liegt keine gefährliche Spannung am Auto an, und Sie können auch keinen stromführenden Leiter unabsichtlich berühren.
ABER! Und darauf kommt es an: Dieser Fehlergleichstrom kann den FI Typ A "blind" machen. Das heißt, dieser FI-Schutzschalter erkennt dann unter Umständen keine Wechselfehlerströme mehr, oder erst wenn sie sehr groß werden. Folgendes könnte passieren: Der ZOE steckt auf einer Steckdose, die ganz normal mit FI-Schutzschalter Typ A gesichert ist. Das Auto lädt und leitet dabei einen Fehlergleichstrom ab. An einer zweiten Steckdose, die über den selben FI-Schutzschalter Typ A gesichert ist, steckt jemand ein defektes Gerät an, eines mit einem metallischen Gehäuse und einem Isolationsfehler (also eine Phase liegt am Gehäuse an) und mit defekter Schutzerdung (also alles in allem sehr unwahrscheinlich). Oder Sie stochern in einer Steckdose mit einem metallischen Gegenstand herum (was Sie natürlich nie tun sollen). Wenn eine Person also dieses Gerät berührt, und diese Person auch noch geerdet ist, dann fließt Strom über diese Person, aber der FI-Schutzschalter ist durch den Fehlerstrom des ZOE blind und löst nicht aus.
Also: Es kann sein, dass der ZOE einen Fehlergleichstrom ableitet, der aber so gering ist, dass der Schutzschalter Typ B im Kabel nicht auslöst, der Schalter Typ A im Netz aber blind wird. Das ist zumindest nicht auszuschließen. Jedenfalls ist das keine saubere Lösung. Die saubere Lösung ist im Netz ein Schalter Typ B und ein beliebiges Ladekabel bzw eine beliebige Wallbox.
Ein FI-Schutzschalter Typ B muss auch bei Fehlergleichströmen erst bei 30mA auslösen.
Es gibt daher von der Fa. Doepke Schutzschalter, die können in bestimmten Fällen die Erblindung eines vorgeschalteten FI-Schutzschalters verhindern, aber dazu muss ein sogenanntes TT-System installiert werden, das bei uns sehr unüblich ist und Extrakosten verursachen kann. Oder der Schutzschalter löst schon bei 6mA Fehlergleichstrom aus, dann wird es aber schwierig den ZOE zu laden.
Also keine Praxislösung für die meisten Fälle, da hierzulande fast nur TN-C oder TN-C-S-Netze installiert werden.


Fazit FI-Schutzschalter

Fragen Sie uns, wir beraten Sie, und installieren mit unseren Partnern die Lösung, die günstig und sicher ist. Wenn Sie nur eine Wallbox oder eine einzelne Steckdose über einen FI-Schutzschalter absichern, dann reicht ein Typ A. Sonst wird ein Typ B die sichere Wahl sein, allerdings muss dieser ALLE Steckdosen absichern, die parallel zur Elektroauto-Lademöglichkeit installiert sind.
Lassen Sie sich nichts einreden, schon gar nicht Lösungen die mit hohen Kosten verbunden sind.

Leitungsschutzschalter = "Sicherungsautomat"

Allgemeines

Der Leitungsschutzschalter, landläufig auch "Sicherungsautomat" genannt, schützt, wie der Name schon sagt, die Stromleitung vor übermäßiger Erwärmung. Die Fachleute nennen diesen Schalter auch LS, was eine Abkürzung von LeitungsSchutzschalter ist.
Der Querschnitt eines Kabels, und die daran installierte Steckdose, sind nur mit einem bestimmten Strom belastbar. Kleinere LS (geringere Nenngröße) dürfen installiert werden, größere nicht. Man sollte auch immer darauf achten, dass Steckdosen, Stecker und Kabel in einwandfreiem Zustand sind, sonst kann es zu Bränden kommen, auch wenn der Schutzschalter noch nicht auslöst.

32A-Stecker auf 16A-Stecker reduzieren?

Ist es zulässig ein Gerät mit 32A-Stecker über einen Adapter auf einen 16A-Stecker zu reduzieren und an einer 16A-Steckdose anzustecken? Ja, das ist zulässig, weil der 32A-Stecker auch mit 16A zurecht kommt. Umgekehrt ist das nicht zulässig. Also ein Gerät mit 16A-Stecker mittels einem (illegalen) Adapter an einer 32A-Steckdose anzustecken.
Stellen Sie bei Ladekabeln und Wallboxen, deren Ladestrom verstellbar ist, nicht mehr ein als der LS Nennstrom hat. Es kann zwar nichts passieren, aber der Ladevorgang wird unterbrochen.

Brauchen Sie einen speziellen Leitungsschutzschalter?

Nein, ein Standard-LS mit Charakteristik B ist ideal geeignet. Der LS hat zwei mechanismen, nach denen er auslöst. Der eine ist Kurzschluss. Ein LS B löst hier bei ca. 3- bis 5-fachem Nennstrom (also z.B. 16A) aus. Der andere Mechnismus ist Überlast über einen thermischen Auslöser. Als Faustregel kann man sich merken, dass bei 1,25-fachem Nennstrom nach ca. 1h ausgelöst wird. Also kurze Belastungen auf 150% sind auch kein Problem.
Ladegeräte von Elektroautos fahren den Strom sehr sanft hoch, sodass LS mit Charakteristik K kompletter Unfug sind, auch wenn Sie etwas anders lesen. Das gilt auch für die Ausführung C.

Weitere Information

Ein weiterführender Link auf GoingElectric.

Wenn Sie eine Fachkraft sind, und es ganz genau wissen wollen, empfehlen wir Ihnen folgendes Dokument: Gesetzliche Anforderungen an Sicherheit, EMV und Performance für Ladestationen und Ladekabel zum Betrieb von Elektro- oder Hybridfahrzeugen.

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